Rea Garvey im Interview: „Musik ist wie ein Liebhaber“

Foto: Olaf Heine / Universal Music

Seit 20 Jahren steht er auf der Bühne und ein Ende ist nicht in Sicht: Der gebürtige Ire Rea Garvey spielt am 16. Juni das Abschlusskonzert beim Bad Hersfelder Hessentag.

Kristina Marth hat am Telefon mit ihm gesprochen.

Sie befanden sich gerade im „Kreativprozess“ – was muss man sich darunter vorstellen?

Ein Kreativprozess ist immer eine Art Erntezeit, in der man alles, was durch den Kopf geht, wahrnimmt. Das sind dann Wochen oder auch mal ein Jahr, in dem ich sehr viel schreibe. Immer, wenn ich irgendetwas denke, schreibe ich es auf. Ich bin einfach entspannt, verbringe im Moment viel Zeit bei der Familie, außerdem bin ich in den letzten Zügen für meinen Pilotenschein. Ich habe schon lange nicht mehr so eine Zeit zu Hause gehabt und genieße das total.

Klingt nach dem kompletten Gegenteil zum Rockstar-Leben auf Tour?

Ja, wobei ich auch das liebe. Am Ende einer Tour gibt es wirklich so eine Zeit, wo ich meine Arbeit feiere. Wenn die Arbeit aber getan ist, bin ich jemand, der das Leben genießt, dann bin ich quasi im Urlaub. Irgendwann merke ich dann, dass ich wieder dabei bin, etwas zu schreiben, und dann weiß ich: Ok, jetzt fängt der Prozess wieder an.

Sowohl „an der Arbeit“ als auch privat spielt eine Person eine große Rolle: Ihre Frau. Sie ist auch Ihre Managerin. Ist so ein Mix aus Beruf und Privatem nicht auch manchmal schwierig?

Ich glaube, man muss einfach sehr ehrlich mit sich selbst sein. Ich liebe Josephine und freue mich über jeden Tag mit ihr, aber das heißt nicht, dass wir nicht auch Diskussionen über Musik haben können. Sie ist sehr ehrlich und dann gibt es schon auch mal Telefonate, wo wir an einem bestimmten Punkt besser auflegen müssen. Das ist aber ok, denn in einer Beziehung geht es nicht darum, dass es einfach ist, sondern darum, dass es echt ist. Ich habe wahnsinnig viel Respekt vor ihr und wir sprechen über alles. Sie lässt mich Musiker sein und ich lasse sie Managerin sein.

Echtheit ist ein schönes Thema: Auch Ihre Social-Media-Accounts wirken – anders als bei vielen anderen Künstlern – sehr authentisch. Wie viel Privatmensch Rea Garvey ist dort zu sehen?

Mir macht vor allem Instagram Spaß und fast alles, was dort zu sehen ist, poste ich selbst. Klar sagen Menschen manchmal, es könnte mehr sein, aber ich zeige das, was ich gerade denke. Manchmal ist das viel und manchmal wenig – für mich ist die Hauptsache, dass es ehrlich ist.

In wenigen Wochen geht es für Sie wieder auf Tour. Sind die Planungen inzwischen voll am Laufen?

Ich treffe ständig Leute, die mich fragen, wie wir dies oder jenes auf Tour machen, aber ehrlich gesagt muss ich antworten: Ich weiß es nicht. Ich bin da nicht der Multitasker. Vielleicht ist das eine Schwäche, vielleicht ist es aber auch gut – denn wenn ich etwas mache, konzentriere ich mich komplett darauf und gerade im Moment ist das noch Songwriting und bei der Familie sein. Die Tour nähert sich aber und ich freue mich tierisch. Es ist grandios, auf Bühnen zu stehen.

Auf der Bühne stehen Sie am 16. Juni auch in Bad Hersfeld am Hessentag…

Ja, das wird sicher ein grandioses Fest. Ich kenne Hessen sehr gut und weiß, dass die Feierlaune da sehr groß ist. Ich will sie auf jeden Fall noch nach oben treiben.

Mit der Kelly Family, Roland Kaiser oder ZZ Top werden auch Künstler in Bad Hersfeld auftreten, die seit mehr als 40 bzw. 50 Jahren im Geschäft sind. Werden Sie selbst auch mal dieses Bühnenalter erreichen?

Ich glaube, am wichtigsten ist die Frage: Bist du kreativ und bringst immer noch etwas Neues oder wiederholst du dich? Momentan bin ich immer noch kreativ und noch nicht an dem Punkt, wo ich nichts Neues mehr zu bieten habe. Wenn man bei meinem letzten Album „Neon“ die Chartposition und den Radioerfolg sieht, ist das für mich eine Bestätigung, dass das, was ich mache, aktuell ist. Das freut mich sehr, denn ich versuche, ein Leben zu führen, das mich mit der Welt in Kontakt hält. Wenn sich das irgendwann mal ändert, will ich das aber nicht ignorieren.

Auch Sie stehen bereits seit 20 Jahren auf der Bühne, starten allerdings gefühlt ständig noch mehr durch. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Dieses Leben ist einfach das, was ich liebe, und ich versuche, mir nicht zu viele Gedanken zu machen. Man darf zum Beispiel nie planen, einen Hit zu schreiben, sondern muss einfach Vertrauen haben und sich öffnen. Musik ist wie ein Liebhaber: Wenn du die Musik liebst, liebt sie dich zurück. Bei „Neon“ habe ich wirklich viel Vertrauen gehabt und es war schön, zu merken, dass man damit Erfolg hat.

Auf Ihrer Tour werden Sie viele Songs von „Neon“ spielen, häufig wünschen sich Ihre Fans allerdings auch alte Hits wie „Supergirl“. Wenn Sie einen Wunsch hätten: Was sollte das Bad Hersfelder Publikum für Sie singen?

Puh, ich weiß es nicht. Ich muss ehrlich sagen, ich bin oft überrascht von meinem Publikum. Es gab schon Momente, wo plötzlich alle mitgesungen haben und ich nur dachte: Wow, das habe ich nicht erwartet. Es geht da nicht um ein bestimmtes Lied, für mich ist es viel wichtiger, dass ich zusammen mit meinem Publikum singe, denn dann wird alles irgendwie enger und näher, es entsteht einfach dieses gemeinsame Gefühl. Das ist die ganz große Freude an Musik: Mit ihr in der Mitte ist normalerweise jeder Abend unvergesslich.

(Hersfelder Zeitung)

!

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen