Roland Kaiser im Interview: „Schlager kann man nicht definieren“

Foto: Paul Schirnhofer

Mit Roland Kaiser kommt einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Sänger aller Zeiten zum Hessentag nach Bad Hersfeld. Am 12. Juni gastiert der Schlagerstar in der Sparkassen-Arena im Jahnpark. Wir haben vorab mit dem 66-Jährigen am Telefon gesprochen.

Herr Kaiser, Sie haben einen Pilotenschein und ein eigenes Flugzeug. Wer aber sorgt dafür, dass Sie trotz Ihres Erfolgs nie abgehoben sind?

Das mache ich selbst. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und habe in meiner Historie so viel erlebt. Ich bin eher geprägt von Dankbarkeit und Demut, dass mir so viel Glück widerfährt.

Roland Kaiser funktioniert seit Jahrzehnten generationenübergreifend. Liegt das am Schlager oder aber an Roland Kaiser selbst?

Ich weiß nicht, ob das Genre Schlager die letzten 45 Jahre funktioniert hat. Ich sehe aber, dass immer mehr junge Menschen in meine Konzerte kommen. Die Einstellung zu deutschsprachiger Musik hat sich verändert. Die Menschen sind offener geworden. Unverkrampfter.

Ist Schlager denn wieder sexy? Oder immer noch?

Was ist denn Schlager? „Musik in deutscher Sprache gesungen“ ist für mich der passendere Begriff. Ein Schlager ist ein Lied, das die Mehrzahl der Menschen in einem Land kennt. So sagt es der Brockhaus. Wenn dann also die Toten Hosen mit „An Tagen wie diesen“ einen Nummer-eins-Titel haben, dann singen sie Schlager?

Nein, natürlich nicht.

Sehen Sie. Definieren Sie doch mal Schlager. Das werden Sie nicht schaffen. Man kategorisiert, aber kann es nicht definieren.

Dann frage ich Sie wohl besser nicht nach der Zukunft des Schlagers?

Deutsche Musik reicht von – sagen wir mal – Revolverheld bis Beatrice Egli. Wenn Sie mich beispielsweise fragen, ob Johannes Oerding eine Chance hat, dann sage ich ja. Gut gemachte Musik mit deutschen Texten wird immer eine Zukunft haben.

Verraten Sie uns, welche Musik Sie privat hören?

Querbeet eigentlich. Charts, wenn ich im Auto unterwegs bin. Ansonsten gern Klassik und Swing. Frank Sinatra und Dean Martin – die Klassiker.

Zu welchem Hessentags-Konzert würden Sie gehen, wenn Sie die Zeit dafür hätten: ZZ Top, Silbermond, Rea Garvey oder Kelly Family?

Da leg ich mich mal lieber nicht fest, damit ich keinen der anderen Künstler geringschätze. Aber mal im Ernst: Ich muss ja schnell weiter nach dem Konzert, weil ich auf Tour bin. Wenn ich Zeit habe, gehe ich aber gern in Konzerte. Ich habe zuletzt zum Beispiel Rod Stewart und die Rolling Stones gesehen.

Sie sind jetzt 66 Jahre alt. Fängt denn mit 66 Jahren tatsächlich das Leben an, wie Udo Jürgens gesungen hat?

Also für mich fängt das Leben jeden Tag neu an. Weil man Lust auf Leben hat und Spaß an dem, was man tut. Wenn man gesund ist, dann ist doch alles gut.

Eine gute Überleitung. 2010 mussten Sie sich einer Lungentransplantation unterziehen. Gibt die Musik einem Musiker in solch einer schweren Phase Halt?

Ich rede über das Thema gar nicht mehr. Ich bin gesund und gucke nach vorn – nicht zurück.

Ein guter Freund hat sich in einer schweren Zeit im Lied „Extreme“ wiedergefunden. Macht es Sie stolz, dass die Menschen ihre Musik nicht nur hören, wenn sie im Feiermodus sind?

Na ja, ich habe ja in meiner Karriere viele Titel gehabt, die gar nichts mit Feiern zu tun haben. Aber es ist schön, wenn man in seinen Texten Formulierungen gefunden hat, die andere Menschen nachempfinden.

Am 15. März erscheint Ihr neues Album „Alles oder Dich“. Können Sie den Titel etwas konkretisieren?

Man könnte es wohl am besten mit „Ich würde alles für dich eintauschen“ umschreiben. Angelehnt an den James- Bond-Film „Die Welt ist nicht genug“. Es ist eine ultimative Liebeserklärung an eine Frau, die diesen Mann aber wohl leider nicht mehr liebt.

Sie gehen in diesem Jahr auf Tournee – sowohl in der Halle, als auch Open Air. Was hat den größeren Reiz?

Beides. Absolut. In der Halle kann man mit Lichteffekten natürlich von vornherein für mehr Dramaturgie sorgen. Draußen ist die Atmosphäre eine ganz andere. Die Leute stehen, die Luft ist schön…

Und in Dresden ist die Luft besonders schön? Stichwort Kaisermania.

Nein, nein, das nicht. Aber es ist schon ein gewachsenes Festival, und die Stimmung dort eine besondere. Wenn es dann dunkel wird, und man die Silhouette der Altstadt hinter der Bühne sieht, ist das schon eine ganz spezielle Atmosphäre.

Worauf kann sich das Bad Hersfelder Publikum am 12. Juni freuen?

Auf das komplette Open Air Programm 2019, das wir beispielsweise auch in Dresden spielen. Das werden etwa zweieinhalb Stunden ohne Pause sein. Wir spielen eine Mischung aus großen Hits, die wir klanglich und auch vom Arrangement in die Neuzeit holen, aber auch Titel von älteren Alben und zwei neue Songs. Wir werden die Menschen gut unterhalten. Versprochen.

Und die Joana bringen sie auch mit nach Bad Hersfeld?

Die wird mitfahren. Na klar.

Hat es diese Dame denn tatsächlich gegeben?

Nein. Hat es nicht. Wissen Sie, wenn ich alle Geschichten selbst erlebt hätte, die ich in meinen Liedern aufgreife, müsste ich jetzt wahrscheinlich 166 und nicht 66 Jahre alt sein (lacht).

(Hersfelder Zeitung)

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